Warum sich die sexuelle Orientierung jeglichem Werturteil entzieht

Ich habe lange überlegt, wie ich mit der jüngst losgetretenen Hetzjagd gegen Homosexuelle und Homosexualität, die in der „Menschen bei Maischberger“-Ausgabe vom 11.02.2014 ihren bisherigen Höhepunkt fand, umgehen soll. Aufregen? Ignorieren? Wut in etwas Konstruktives hinein sublimieren? Ich habe mich mit diesem Artikel für letztere Alternative entschieden. Zentraler Punkt der Debatte ist, wenn man einen Moment länger über das Gesagte nachdenkt und auch zwischen den Zeilen mithört, dass die Mehrheitsgesellschaft – also die, die sich als heterosexuell definiert – sich von der Minderheitsgesellschaft – von jenen als homosexuell definiert – unterdrückt fühlt. Unterdrückt dahingehend, dass Schwule und Lesben derart starken öffentlichen Druck ausübten, dass es ihnen – den Heterosexuellen – nicht mehr erlaubt sei, öffentlich eine negative Meinung bzw. ein negatives Werturteil über Homosexualität zu äußern. Denn Homosexuelle, so jene Verfechter, übten normativen Druck aus und schränkten die Meinungsfreiheit der Mehrheitsgesellschaft ein. Wenn Homosexualität als der Heterosexualität ebenbürtige Form der Liebe zwischen Menschen im Unterricht gelehrt würde, drohe die „moralische Umerziehung“. Kurz und knapp gesagt: Man fühle sich seiner Meinungsfreiheit beraubt, weil man Homosexualität nicht mehr offiziell scheiße finden darf. Was folgte, waren dann (richtig mutige und anerkennenswerte!) Bekennerauftritte wie die von SPIEGEL-Journalist Matthias Matussek, der irgendwann vergangene Tage die WELT (im doppelten Sinn) wissen ließ: „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“. So etwas ist durchaus bemerkenswert, bemerkenswert bedauernswert. Zeugt es doch von einer Reflexionsgabe, die sich stark in Grenzen hält.

Was bei dieser gesamten Diskussion darüber, ob man sich nun ein Werturteil über Homosexualität erlauben darf/sollte oder nicht, leider völlig übersehen wird, ist ein ganz trivialer Umstand. Homosexualität ist nichts, das man sich aussucht. Es steckt keine Absicht dahinter, und schon gar keine böse. Kein Mensch hat es sich ausgesucht, mit welcher sexuellen Präferenz er auf die Welt kommt. Und selbst wenn, was nach aktuellem psychologischen Forschungsstand nicht der Fall ist, Umweltfaktoren das Ausschlaggebendere wären, hätte sich das Kind diese relevanten Umweltfaktoren wohl kaum selbst ausgesucht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen homo- oder bisexuellen Menschen gibt, der nicht oft genug in seiner Jugend oder auch im Erwachsenenalter seine sexuelle Orientierung verflucht hätte. Glaubt irgendeiner von euch, die ihr das Recht auf freie Meinungs- und Werturteilbildung immer so hoch hängt, ernsthaft, man würde sich seine sexuelle Orientierung aussuchen? Schwul sein, weil es gerade „in“ ist? Weil man dadurch so viele Vorteile im Leben hat und sich so viele Freunde macht? Glaubt ihr das tatsächlich deshalb, weil Menschen wie Klaus Wowereit selbstbewusst vor die Presse treten und mutig bekennen: „Ich bin schwul, und das ist gut so“ (= „Ich sehe keinen Grund, mich zu schämen?“). Ja, ich glaube, das denkt ihr wirklich. Und nein, so ist es ganz sicherlich nicht.

Wie kann man sich bitte ein Werturteil bezüglich eines Personenmerkmals anmaßen, das eine Person sich nicht willentlich ausgesucht hat? Man kann sich meinetwegen ein Werturteil dazu erlauben, ob man es gut oder schlecht findet, wenn schwule Männer halbnackt über den CSD tanzen. Oder darüber, ob es unverantwortlich ist, wenn welche von ihnen (was übrigens auch auf heterosexuelle Menschen zutrifft) ungeschützten Geschlechtsverkehr mit vielen verschiedenen Partnern haben. Alles ok. Aber worin besteht bitte der Sinn darin, ein Werturteil über ein von der Person nicht wählbares und nicht beeinflussbares Merkmal zu fällen? Wie die sexuelle Orientierung, die so rein gar nicht intentional steuerbar ist? Dann kann ich ja genau so gut sagen: „Ich finde es moralisch verwerflich, wenn Frauen rote Haare haben“. Oder: „Also grüne Augen finde ich ja mal gar nicht akzeptabel“. Genauso könnte man dann auch sagen: „Menschen mit einem unterdurchschnittlichen IQ sind weniger wert“. Denn schon das Wort „Werturteil“ besagt: Es geht um den Wert der Person. Beurteilt anhand eines Merkmals, dass sie sich nicht ausgesucht hat. Kommt keiner auf die Idee, dass das hochgradig ungerecht ist? Und irgendwie mittelalterlich? Und es geht noch um viel mehr: Nämlich darum, dass man die Deutungshoheit darüber ergreift, was besser und was schlechter ist – darum, ein normatives Urteil bezüglich eines Ideals zu fällen, der Heterosexualität. Denn die ist zweifelsohne das einzig Wahre, und würde man Kindern in der Schule etwas anderes beibringen (um Himmels Willen!), würden diese sicher alle schwul und lesbisch werden, und die Menschheit wäre übermorgen ausgestorben. Katastrophe perfekt.

Den finalen Impetus zu diesem Artikel gab eine Facebook-Diskussion unter einem Artikel über Claudia Roth, die sich zur Homosexualitätsdebatte geäußert hatte. Eine Kommentatorin, die ansonsten recht vernünftige Ansichten vertrat, schoss dann mit dem folgenden Kommentar leider doch noch den Vogel ab: „Du darfst selbstverständlich eine Meinung dazu haben ob du das Konzept für dich persönlich magst. Übrigens lehne ich in diesem Sinne Homosexualität auch ab – für mich.“ So. Homosexualität, liebe Menschen, ist kein „Konzept“, zu dem man per se eine Meinung haben kann. Sie ist eine Tatsache. Es gibt sie und hat sie immer gegeben. Geschadet hat sie wohl noch niemandem – außer sicherlich den Betroffenen selbst. Man kann Homosexuelle als (natürlich zu Unrecht als homogen angenommene Gruppe) mögen oder nicht, aber das basiert dann im psychologischen Sinn sicherlich nicht auf einer Meinung, sondern auf projizierten und unterstellten Absichten und Bestrebungen bzw. einer wahrgenommenen (irrationalen) Bedrohung. Und noch unüberlegter ist die Aussage, Homosexualität für sich persönlich abzulehnen. Ja klar, wenn man es nicht ist, muss man sich damit auch nicht beschäftigen. Super Aussage! Auch hier versteckt wieder implizit die Annahme, es handle sich um etwas, das man sich aussucht – denn nur Dinge, die man sich aussuchen kann, kann man nach meinem Verständnis auch ablehnen. Religion, Kleidungsstil, Einrichtung: All das kann man sich aussuchen (und jetzt komme bitte keiner mit dem Argument, Religion könne man sich nicht aussuchen, weil man hineingeboren wird: Hineingeboren ist nicht angeboren, und jeder Mensch kann, wenngleich er mitunter große Opfer bringen muss, eine Religionsgemeinschaft auch wieder verlassen) – seine sexuelle Orientierung leider nicht.

Insgesamt impliziert dies auf der Seite des Bewerteten die Unterstellung einer Absicht, und das ist ein fataler Fehler. Zumindest solange wir in einer Gesellschaft wie der jetzigen leben, kann ich mir kaum vorstellen, dass irgendeine lesbische Frau oder irgendein schwuler Mann sich freiwillig noch einmal wünschen würde, homosexuell auf die Welt zu kommen. Und eben weil es nichts ist, wozu man eine Meinung haben kann, hat in Bezug auf die sexuelle Orientierung auch niemand das Recht auf eine Meinung oder gar auf ein Werturteil – denn sie entzieht sich diesem. Steckt hinter all der Debatte um das „Recht auf eine Meinung, Homosexualität schlecht zu finden“ letztendlich die Forderung, Schwule und Lesben sollten ihre sexuellen Präferenzen unterdrücken und sich „zusammenreißen“? Soll das ernsthaft der Vorwurf sein – dass sie das nicht tun? Darauf läuft es nämlich, wenn man das ganze mal zuende denkt, genau hinaus.

Nun werden entsprechende Leser mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einwenden, Homosexuelle seien doch stolz auf ihre sexuelle Orientierung, würden sie lauthals zur Schau stellen (CSD, „gay pride“, etc.) und – so ein weit verbreiteter Tenor in den letzten Wochen – würden die öffentliche Meinung diktieren und es gesellschaftlich unmöglich machen, gegen sie zu sein. Das, was man hier auf gesellschaftlicher Ebene beobachten kann, nennt sich in der Psychologie „Reaktanz“. Übersetzen kann man es am ehesten mit „Trotzverhalten“, und man kennt es eigentlich eher von Kindern zwischen 2 und 4. Kern des Reaktanz-Konzeptes ist es, dass Menschen sich in ihrer wahrgenommen persönlichen Freiheit (ob nun zurecht oder unzurecht, spielt keine Rolle) eingeschränkt und bedroht fühlen und hierauf mit Trotzverhalten reagieren. Ergo: Genau das, was wir in den letzten Wochen erleben. Eine Minderheit schwimmt sich nach jahrhundertelanger Unterdrückung endlich frei und besitzt die bodenlose Unverschämtheit, sich selbstbewusst zu ihrer „Andersartigkeit“ zu bekennen und obendrein die Dreistigkeit, das auch noch öffentlich zu zeigen und allen ernstes dieselben Rechte zu fordern wie die Mehrheitsgesellschaft. Das geht natürlich nicht.

Die entsprechenden Homosexualitätsgegner nennen gerne als Argument, sie sähen ihre „konservativen Werte bedroht“. Der gute Herr Matussek forderte in dem besagten WELT-Artikel sein Recht, an das gute, alte Mutter-Vater-Kind-Modell zu glauben. Nun, wenn Schwule und Lesben genauso heiraten und (Gott bewahre!) auch noch Kinder adoptieren dürfen, dann würde ganz sicher die abendländische Moral (was auch immer diese entsetzlich hohle Worthülse bedeuten mag) automatisch den Bach runter gehen. Auf jene ewig gestrige selbsternannte Moralfabrik mit Hang zum Verbrechen namens Kirche will ich an dieser Stelle lieber gar nicht erst eingehen. An dieser Stelle sei kurz darauf verwiesen, dass Menschen wie Herr Matussek gerne an dieses Modell glauben können, solange sie sich bewusst sind, dass es sich nicht um wissen handelt. Von der Tatsache mal abgesehen, dass, wenn man sich die Scheidungsraten unter heterosexuellen Paaren mal anschaut, jenes Modell irgendwie auch nicht ganz das Gelbe vom Ei zu sein scheint, liegen genügende (von der Politik stoisch-arrogant ignorierte) wissenschaftliche Befunde vor, die zeigen, dass Kinder keine Nachteile haben, wenn sie bei zwei Müttern oder zwei Vätern aufwachsen (was Sie hier nachlesen können).

Aber all das ist es nicht, das den Hass gegen anders liebende Menschen wirklich erklärt. Es ist zu oberflächlich. Es ist nicht das, was diese Menschen wirklich fürchten. Und deshalb ist auch der Begriff Homophobie, von mir nach Möglichkeit gemieden, nicht zutreffend. Es ist keine Angst vor Lesben und Schwulen, ebenso wenig wie eine Angst vor dem vermeintlichen Werteverlust (der, nebenbei gesagt, ohnehin ein nicht greifbares Konstrukt ist, zumal höchstens Werte ersetzt werden, aber nicht ausschließlich verloren gehen).

Die Sozialpsychologie gibt auf diesen Hass gegenüber Minderheiten meist die Antwort, dass Menschen generell andere Menschen dann weniger mögen, sobald sie sie auf irgendeine Weise als anders wahrnehmen. Dies ist sicherlich richtig und gilt auch als gut belegt; ich bin allerdings der Ansicht, dass auch diese Erklärung zu oberflächlich ist. Hass und Ablehnung sind, da sind sich die meisten Psychologen einig, fast immer sekundäre Reaktionen bzw. Emotionen. Sekundär deshalb, weil sie dazu dienen, eine primäre Emotion – so gut wie immer Angst – zu kompensieren. Die Frage ist also, wie schon oben angerissen: Wovor um alles in der Welt haben die Homosexualitätsgegner wirklich Angst? Nun, ich will nicht sagen, dass dieser Zusammenhang auf alle diese Leute zutrifft (weil man diesen Hass, wenn man selbst nicht zur Reflexion in der Lage ist, auch am Modell erlernen, d.h. „eingetrichtert“ bekommen kann), aber dennoch habe ich eine starke Vermutung bezüglich des ausschlaggebenden Prozesses.

Wenn man die Angst um das Überleben einmal außen vor lässt (da diese zwar essentiell wichtig ist, aber in der Realität kaum jemanden betrifft), dann beziehen sich die meisten Ängste des Menschen auf die Bedrohung seines Selbstwerts. Damit, diesen zu verteidigen (und natürlich möglichst zu erhöhen!), ist der Mensch fast unablässlich beschäftigt – und kaum ein Konstrukt ist hilfreicher dabei, menschliches Verhalten zu erklären. Eine sehr effektive Form der Selbstwertregulation – ebenfalls aus der Sozialpsychologie bekannt und dort sehr gut erforscht – ist der soziale Vergleich. Kurz und prägnant lautet das Prinzip: Vergleiche dich mit Leuten, die in der sozialen Hierarchie unter dir stehen, und dein Selbstwert wird es dir danken. Als Merkmale können hierbei die unterschiedlichsten Dinge herangezogen werden: Geld, Auto, Schmuck, Haus, Job, Aussehen, Gewicht, etc. – alles, was relative Werturteile der Form „besser/schlechter als“ erlaubt. Tja, und was eignet sich besser zum Abwärtsvergleich als stigmatisierte Minderheiten? Mit denen kann man sich auch dann noch vergleichen, wenn’s im Job gerade mal nicht so läuft. Blöd wird es eben dann, wenn die die Frechheit besitzen, Ebenbürtigkeit zu fordern. Gleichberechtigung für die, die man braucht, um sich gut zu fühlen? Niemals! Auf Augenhöhe ist kein Abwärtsvergleich mehr möglich. Und was ist der logische Schluss? Wieder drauftreten! Bis jene sich wieder erinnern, wo ihr gottgegebener Platz in der Gesellschaft wirklich ist.

© Christian Rupp 2014

8 Kommentare zu “Warum sich die sexuelle Orientierung jeglichem Werturteil entzieht

  1. Ich kann Deinen Ärger sehr gut verstehen.
    Ich hab die Sendung nicht gesehen, aber ich finde es wirklich schlimm, was Du hier davon erzählst. – Die Heterosexuellen fühlen sich durch die Homosexuellen unterdrückt? So was blödes hab ich überhaupt noch nicht gehört. Ich bin auch heterosexuell und habe mich davon noch nie unterdrückt gefühlt.
    Und ich dachte, die Zeiten, in denen man annahm, dass man sich seine sexuelle Gesinnung aussuchen könnte oder man vielleicht gar selber daran „schuld“ wäre (oder vielleicht sogar die Mutter desjenigen – solche Aussprüche gab es ja früher oft genug), wären vorbei. Leider scheint das nicht der Fall zu sein. Hab ich leider selbst schon bei einer Diskussion erlebt. Da machte ein Bekannter eine Bemerkung, wo mir echt der Mund offen blieb. Das hatte ich von dem nämlich nicht erwartet.

    Und dann auch immer das blöde Argument mit der moralischen Wertigkeit. Wie Du ja geschrieben hast, mit der Moral ist es ja größtenteils bei den Heterosexuellen auch nicht gerade weit her.

    Eigentlich ist es ja schon traurig genug, dass es überhaupt noch all diese Diskussionen geben muss. Ich wünsche mir, dass bald eine Zeit kommt, die dies überflüssig werden lässt.

    Alles Gute
    Gabi

    • Danke für deinen lieben Kommentar, Gabi! Ja, ich finde es auch traurig und vor allem erschreckend, weil ich so lange das Gefühl hatte, wir seien auf dem richtigen Weg. Man kann nur hoffen, dass jene Leute nicht zu viel Anerkennung und Einfluss erlangen.

  2. Toller, toller Text! Absolut auf den Punkt gebracht, und ich hoffe, dass er viele Menschen zum Nachdenken bringt, denn bei einigen scheint immer noch nicht angekommen zu sein, dass man sich seine sexuelle Orientierung nicht aussuchen kann. Danke für die Denkanstösse, und Gratulation zu der super Website! Grüsse aus Spanien, Tina

    • Hallo Tina!
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Es freut mich, dass der ganz zentrale Punkt, den ich damit vermitteln wollte, deutlich geworden ist. Und immer wenn ich Kommentare wie den deinen lese, habe ich wieder ein bisschen Hoffnung, dass unsere Gesellschaft doch nicht den Bach hinunter geht :).
      Viele Grüße zurück aus Deutschland!

  3. die Diskussion geht, und da gebe ich Ihnen völlig recht, am Kern des Problems vorbei. Jeder soll nach seiner Faßon glücklich werden.

    Vielmehr stellst sich mir die Frage, ob eine Familie die Kinder heranzieht noch eine schützenswerte und förderungswürdige Institution darstellt oder ob Steuererleichterungen zur Selbstverwirklichung von DINKs (gleich welcher sexuellen Neigung) und Rente mit 63 die Gesellschaft in Deutschland in eine bessere Zukunft führt…

  4. Ich glaube, das Problem ist LGBT als „Lifestyle“ bzw. als Form von Feminismus. Ehrlich gesagt, es mag gut gemeint sein, aber „lesbisch“ sei für dicke, „hässliche“, zT auch essgestörte Frauen und alte Frauen nach den Wechseljahren, die „keinen abgekriegt“ haben & „mutig dazu stehen“, sich anderen Frauen gegenüber als dominante Paschas aufspielen wollen oder sich nach ein, zwei gescheiterten Ehen zur Abwechslung mal von einer jungen Frau umschwärmen und „verwöhnen“ lassen wollen ist total homophob. Weder sind lesbische/bisexuelle Frauen „zu hässlich für Männer“, noch hegen sie einen brachialen Hass auf andere Frauen, die angeblich um jeden Preis zum „dummen Weibchen“ (häufig Frauen, die was mit Kultur und Medien machen wollen und dazu auf Minderheitenrechte setzen), zum „Flittchen“ (kommt eher von adipösen Frauen) oder zur „frigiden Hexe“ (gern von sehr femininen Frauen, die sich mit dem Essen zusammenreißen) abgestempelt werden müssen (das ist aber eben wie gesagt bei einigen der Essgestörten so) oder sind heiß auf jeden Rock, der ihnen vor die Nase kommt (das möchte man aber im Zuge von „Sex positive“ für die dicken Frauen, damit die sich mal genauso umschwärmt fühlen können wie das deutsche Pendant zur homecoming queen. Als ob das bei jeder normalgewichtigen Frau so wäre …). Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, dass (heterosexuelle) Frauen sich gern „belästigt“ fühlen möchten, sofern ich ihnen auch nur offen ins Gesicht schaue. Dass mein weibliches Gegenüber demonstrativ den Cardigan oder Blusenausschnitt zurechtzupft, obwohl ich da gar nicht hingucke, kommt auch häufig vor. Sorry, aber das ist einfach homophobes Mobbing und bringt keine „neue sexuelle Offenheit“ zum Ausdruck! Es ist einfach eine Ausbeutung bzw. ein Missbrauch weiblicher Homosexualität, um problembeladene heterosexuelle Frauen aufzuwerten. Aber was geht mich der überzogene Narzissmus solcher Frauen an?! Auch sollte man misstrauisch sein, angesichts der vielen Frauen, die sich, seit Queer so sehr in Mode ist, urplötzlich als Turbolesben entpuppen, obwohl frau selbst sie von früher kennt und weiß, dass sie das da noch „eklig“ fanden und nichts anderes im Kopf hatten, als so schnell wie möglich (mit einem Biomann) in den Hafen der Ehe einzulaufen. Es lässt sich halt jede Menge Geld mit dem Minderheitenthema verdienen und da möchte auch niemand zu benutzt werden. Ich finde auch nicht, dass das Ganze „appetitlicher“ rüberkommt, wenn man „für die Öffentlichkeitsarbeit“ ein süßes langhaariges Blondchen nimmt. Wer nur als „Notlösung“ lesbisch lebt, sollte begreifen, dass das eine eigene Entscheidung ist und frau es nicht an anderen Frauen rauslassen kann, dass sie eigentlich eben doch (nur) auf Männer steht. Ansonsten sehen „wir“ normal aus. Es gibt uns in allen Ausführungen (schlank, dick, groß, klein, normal, burschikos, sportlich, ja, auch feminin, das ist nur nicht das Überwiegende, usw.). Wir grämen uns nicht, wenn wir als Möchtegernbarbie nicht besonders überzeugend sind, noch „übernehmen“ wir „eure“ Frauen, wenn ihr was Jüngeres/Schlankeres sucht (oder „machen“ mit ihnen „rum“, um sie zu trösten. Akzeptiert, dass wir das nicht wollen! Das ist nur in „the L-Word“ so, dass heteronormativ aussehende Frauen ständig mit anderen heteronormativ aussehenden Frauen flirten wollen, aber das ist Fiktion. Ihr glaubt ja auch nicht, dass heterosexuelle Liebe im Normalfall wie in „Dornröschen“ oder „Titanic“ abläuft.). Ich persönlich stehe nicht auf dicke Frauen. Es gibt aber natürlich Lesben/Bi-Frauen, die es tun (genau wie es Männer gibt, die mollig lieber mögen.). Ihr müsst euch ein wenig fragen, warum der Diskurs um Queer, Transgender (die wenigsten Transmänner sind echt und nein, auch von denen will sich keine unterbuttern lassen, nur damit die sich mal stark fühlen können), Esstörungen und das emanzipatorische Potential von LGBT für die heterosexuelle Frau so wichtig ist, während sich die Ehe für alle immer noch niemand so richtig vorstellen mag. Dabei wäre genau das das, was man gemeinhin so unter „gleiche Rechte“ versteht.

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