Psychologe, Psychiater, Psychotherapeut & Co. – Was ist der Unterschied?

In neu überarbeiter Form mit ein paar wichtigen Ergänzungen!

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Im Volksmund werden die „Psych“-Berufe ganz häufig synonym, oft völlig falsch und selten sachgemäß verwendet. Dabei lohnt es sich, einmal die Unterschiede genauer zu betrachten. Fangen wir also mit den Definitionen an. Ich bitte um Nachsehen dafür, dass ich der besseren Lesbarkeit wegen an allen Stellen nur die männliche Form verwende.

Psychologe

Psychologe ist ein geschützter Titel, den man nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium der Psychologie erwirbt. In der Vergangenheit lautete der Titel (und auch die Berufsbezeichnung) nach dem Abschluss dann „Diplom-Psychologe“ (kurz: „Dipl.-Psych.“). Das Diplom war bis vor einigen Jahren der Regelabschluss im Fach Psychologie, den man nach ca. 9-10 Semestern erreichte. Im Zuge der Bologna-Reform der Studienabschlüsse wurde das Diplom als Abschluss abgeschafft und durch einen Bachelor- und einen Masterabschluss ersetzt. Den Bachelorabschluss hat man, wenn man in der Tretmühle dieses anstrengenden Studiums nicht auf der Strecke bleibt, nach 6 Semestern geschafft und darf sich dann „Bachelor of Science“…

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Autismus & das Asperger-Syndrom – Teil 4: Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

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Im Hinblick auf die Behandlungsmöglichkeiten bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (Überbegriff für den frühkindlichen Autismus und das Aspergersyndrom) hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten jede Menge getan. Vorab muss aber dennoch ganz klar gesagt werden: Eine kausale Therapie, d.h. eine Heilung, die die Ursache der Störungen behebt, gibt es nicht. Was ich in diesem vierten und letzten Teil zu diesem Thema jedoch vorstellen werde, sind mehrere viel versprechende Therapieprogramme, mit denen insbesonders dann, wenn mit ihnen früh begonnen wird, erstaunliche Erfolge erreicht werden können. Damit konkret gemeint ist eine Abschwächung der oftmals sehr beeinträchenden Symptome sowie eine Verbesserung derjenigen Fertigkeiten und Fähigkeiten, die es den Betroffenen ermöglichen, ein eigenständiges Leben zu führen. Mit anderen Worten: Die zugrunde liegende Störung, deren Ursachen ich in Teil 3 vorgestellt habe, besteht weiterhin, aber die Betroffenen lernen, ihre vorhandenen Fähigkeiten so weit auszubauen und zu stärken, dass sie sich mit geringeren Einschränkungen und Schwierigkeiten in…

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Autismus & das Asperger-Syndrom – Teil 3: Was ist die Ursache? Von Genen, Kühlschrankmüttern und Veränderungen im Gehirn

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Wird Autismus vererbt? Oder liegt es an der Erziehung?

Stellt man die Frage nach der Ursache einer Störung, kann man sich diese immer auf verschiedenen Ebenen anschauen. Man kann sich u.a. die Ebene der Gene anschauen, wenn man von einer genetischen Ursache ausgeht, oder man kann sich genau die Lebensumstände und die Biographie des Betroffenen anschauen, wenn man stark von einer durch äußere Einflüsse bedingten Störung ausgeht. Worin sich psychische Störungen grundsätzlich unterscheiden, ist der Anteil, den jeweils genetische und Umweltfaktoren ausmachen, wobei man generell davon ausgehen sollte, dass sich die beiden nicht unbedingt aufaddieren (eine bestimmte Menge genetische Einflüsse + ungünstige Umwelterfahrungen = Störung), sondern dass eine Interaktion besteht, was bedeutet, dass beide Faktoren ineinander greifen: So kann es beispielsweise sein, dass eine bestimmte genetische Veranlagung generell das Risiko für eine Störung erhöht, diese aber erst ausbricht, wenn gleichzeitig bestimmte Umwelteinflüsse wie einschneidende Lebensereignisse auftreten. Was ich hier nun…

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Autismus & das Asperger-Syndrom – Teil 2: Über die rätselhafte Zunahme der Häufigkeit und Autismus im Erwachsenenalter

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Häufigkeit & Verlauf: Das Rätsel der wachsenden Diagnosenzahl

Was würden Sie schätzen, wie häufig der Autismus und das Asperger-Syndrom vorkommen? Nun, die Antwort hierauf ist stark abhängig vom Zeitpunkt, den man heranzieht. Aktuelle wissenschaftliche Schätzungen aus dem Jahr 2001 (Chakrabarti & Fombonne) gehen davon aus, dass etwa 0,63% aller Kinder zwischen 2 und 6 von einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung (als Oberbegriff für frühkindlichen Autismus und Asperger-Syndrom) betroffen sind, das entspricht 63 von 10000 Kindern. Davon entfallen 0,17% der Diagnosen auf den frühkindlichen Autismus (17 von 10000 Kindern), 0,08% auf das Asperger-Syndrom (8 von 10000 Kindern), und mehr als die Hälfte der Diagnosen aus dem Bereich der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen entfällt auf die Kategorie „nicht näher bezeichnet“, d.h. es liegt eine tiefgreifende Entwicklungsstörung vor, die aber nicht genau einer der zwei Kategorien „Autismus“ oder „Asperger-Syndrom“ zugeordnet werden kann. Jungen sind dabei drei- bis viermal häufiger von frühkindlichem Autismus betroffen als Mädchen, beim Asperger-Syndrom…

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Autismus & das Asperger-Syndrom – Teil 1: Was verbirgt sich hinter den Begriffen?

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Über Autismus und das Asperger-Syndrom kursiert, wie bei den meisten psychischen Störungen, eine große Menge an Gerüchten und falschen Annahmen, die die gesamte Bandbreite von „Autisten sind geistig behindert“ bis hin zu „Autisten sind hochbegabt“ abdecken. Insbesondere letztere Aussage wird immer wieder von Hollywood-Filmen aufgegriffen und blumig ausgeschmückt, z.B. indem Autisten übernatürliche Fähigkeiten wie diejenige zur Kontaktaufnahme mit dem Jenseits zugeschrieben werden. An dieser Stelle soll es nun also darum gehen, was sich hinter diesen Begriffen wirklich verbirgt. Was unterscheidet den Autismus vom Asperger-Syndrom? Was sind die kennzeichnenden Symptome? Sind wirklich nur Kinder betroffen? Und welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

 Oberbegriff: Tiefgreifende Entwicklungsstörungen

Wenn wir uns mit Autismus beschäftigen, bewegen wir uns innerhalb der diagnostischen Gruppe der „Tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ (ICD-10-Kodierung: F84), die vor allem von den „umschriebenen Entwicklungsstörungen“ durch ihre Schwere und die damit einhergehenden Einschränkungen im Leben der Betroffenen (womit hierbei meist Kinder gemeint sind) abzugrenzen sind. Die umschriebenen Entwicklungsstörungen…

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Radiointerview zu Metakognitionen bei der Zwangsstörung

Radio Q, der Campus-Radiosender der Uni Münster, hat sich ihm Rahmen seiner Wissenschaftssendung „IQ Campus Science“ mit dem Thema Zwangsstörungen beschäftigt und wurde hierüber auch auf das Promotionsprojekt von mir und meiner Kollegin Charlotte Jürgens aufmerksam. Interessierte seien an dieser Stelle auf den knapp fünfminütigen Beitrag verwiesen, der aus einem Interview mit mir am vergangenen Mittwoch entstanden ist. Sehr hörenswert für Betroffene ebenso wie für ansonsten Interessierte sind natürlich auch die anderen drei Beiträge zum Thema Zwangsstörung, die Teil der einstündigen Sendung waren. Mit bestem Dank an Anne Kluger und Theresa Viefhaus.

Für eine aktuelle Therapiestudie suchen wir zudem im gesamten Jahr 2017 nach TeilnehmerInnen mit Zwangsstörung. Mehr darüber können Sie hier nachlesen.

 

Intelligenz – Teil 6: „The Bell Curve“ & das dunkelste Kapitel der Psychologie

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1994 veröffentlichten die beiden US-Amerikaner Richard Herrnstein und Charles Murray ein Buch namens „The Bell Curve: Intelligence and Class Structure in American Life“, wobei es sich bei der „bell curve“ natürlich um eine Anspielung an die Gauß’sche Glockenkurve handelt, der die IQ-Werte in der Population zumindest annähernd folgen (siehe auch hier). Dieses Buch hat für eine breite Kontroverse und heftige Kritik gesorgt, die man heutzutage wahrscheinlich als shit storm bezeichnen würde. Und das nicht ohne Grund, ziehen die Autoren doch auf Basis wackliger Prämissen Schlussfolgerungen, die schon im Nationalsozialismus en vogue waren.

Ethnische Unterschiede bezüglich der allgemeinen Intelligenz

Der wohl am kritischsten zu betrachtende Aspekt in der Darstellung von Herrnstein und Murray ist die Art und Weise, wie sie auf ethnische Unterschiede hinsichtlich des allgemeinen Intelligenzquotienten verweisen. So gelangen sie auf Basis der gesichteten Studienlage zu dem Schluss, dass in den USA Menschen asiatischer Herkunft in klassischen Intelligenztests wie…

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Intelligenz – Teil 5: Ist unser IQ ausschließlich genetisch bedingt?

Aus aktuellem Anlass (Thilo hat ja mal wieder einen neuen Schmöker rausgebracht) reblogge ich diesen Artikel mal in der Hoffnung, zumindest ein wenig Aufklärung zu betreiben.

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Vielen Lesern mag diese Frage allein schon seltsam vorkommen, herrscht doch in vielen Bereichen unserer Gesellschaft doch die Meinung vor, dass Menschen hinsichtlich ihrer Fähigkeiten stark formbar sind. Schließlich schicken wir unsere Kinder in die Schule, regen sie bei schlechten Noten an, sich anzustrengen und besorgen ihnen eine nette Nachhilfelehrerin. Die in der Überschrift gestellte Frage ist jedoch berechtigt, herrschte (und herrscht oft heute noch) in der Psychologie doch die Ansicht vor, dass die allgemeine Intelligenz des Menschen ein Merkmal darstellt, das zu einem vergleichsweise großen Anteil vererbt wird, d.h. genetisch determiniert ist. Da man in der Psychologie ebenso wie in der gesamten Wissenschaft ziemlich sicher ist, dass kaum ein menschliches Merkmal (mit Ausnahme von Dingen wie Augenfarbe und Blutgruppe) zu 100% genetisch bestimmt ist, begann man vor einigen Jahrzehnten, sich der Frage nach dem Anteil zu widmen, der auf genetische einerseits und Umwelteinflüsse andererseits zurückzuführen ist. Der Wissenschaftszweig, der…

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